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Geschichte des Tischtennis Hausarbeit

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit soll ein Teil der historischen Entwicklung der wohl schnellsten Ballsportart der Welt belichtet werden. Die Entwicklung des „Ping Pong“ - so wurde die Sportart ursprünglich genannt – ist eine besondere innerhalb der Sportgeschichte. Der Ursprung des Spiels ist bis heute noch nicht zu einhundert Prozent erforscht, jedoch deuten viele Indizien darauf hin, das Tischtennis nicht, wie oft behauptet, einem traditionellen volkstümlichen Ball- und Geschicklichkeitsspiel aus Asien entstammt, sondern als eine im Vergleich sehr junge europäische, genauer gesagt britische Sportart zu betrachten ist. Tischtennis ist inzwischen neben dem 1891 von Naismith entworfenen Basketball und dem 1895 von Morgan entwickelten Volleyball die wohl populärste der jungen Wettkampfsportarten und hat sowohl im Leistungs- als auch im Breiten- und Freizeisport eine beachtliche Stellung eingenommen. Im folgenden sollen besonders die Anfänge der Entstehung und der Entfaltung des Sports in Großbritannien im Vordergrund stehen.

2. Die Entstehung des Tischtennissports

Im Gegensatz zu Sportarten wie Basketball oder Volleyball ist bei der Entstehung der Sportart kein namentlicher Schöpfer bekannt. Der Ursprung des Spiels liegt aber mit großer Warscheinlichkeit in den Gesellschaftssportarten des viktorianischen Zeitalters, nämlich Kricket, Krocket, Bowling Golf und vor allem Lawn Tennis, welche vornehmlich von der britischen High Society betrieben wurden. Das vom Spielprinzip recht ähnliche Lawn Tennis wurde durch das erste erwerbliche Tennis-Set bekannt, welches Major Walter Clopton Wingfield am 21. März 1874 unter dem Namen „Sphairistiké“ auf den Markt brachte. Dieser Set enthielt einen Holzkoffer, in dem sich sowohl Regelwerk, Spielausrüstung als auch Hammer und Schnüren zur Befestigung der Netzvorrichtung befanden. Nur wenige Monate später wurde ein Gummiball mit weißem Flanellüberzug vorgestellt, welcher aufgrund seiner besonderen Flugeigenschaftten für den Gebrauch bei schönem Wetter geeignet sein sollte. So waren die Weichen gestellt und "Sphairistiké" wurde schnell zu einem der beliebtesten Zeitvertreibe des englischen Landadels, wobei sich nach einer kurzen Zeit bereits der Name „Lawn Tennis“ für das Spiel durchsetzte. 1877 wurden bereits die ersten „Wimbledon Championships“ ausgetragen. Da viele der begeisterten Tennisspieler ihrem Hobby nun nicht nur während der Sommermonate bei gutem Wetter nachgehen wollten, wurde der Sport kurzerhand in Miniaturform ins Haus verlegt. So entstand das „Minitennis“ auf dem Eßzimmertisch, welches schon in den 1870er Jahren zu den beliebtesten „After-Dinner-Zeitvertreiben“ gehörte. Die Spielgeräte wurden dazu von den Adeligen in Auftrag gegeben, oder im Notfall schnell selbst gefertigt. Als Netz dienten beispielsweise Schnüre, welche zwischen 2 Sektflaschen gespannt wurden, oder in Studentenkreisen eine aufgestellte Bücherreihe. Geschlagen wurde zunächst mit kleinen Federballschlägern, Büchern, Zigarrenschachteln, Spielgeln und sogar Bratpfannen. Minitennis und Lawn-Tennis wurden immer mehr zu 2 völlig verschiedenen und eigenen Spielformen und so war aufgrund der verschieden klingenden Schlaggeräusche beim Minitennis schnell der Name Ping Pong etabliert.

Dieser Name tauchte in schriftlicher Form erstmals 1878 auf einer Glückwunschpostkarte auf. Die britischen Geschäftsleute wurden schnell auf den neuen Trend aufmerksam und brachten umgehend die ersten Tischtennis-Sets auf den Markt, welche dann bei Kaufleuten oder Gemischtwarenhandlungen zu haben waren. Erster Vertreiber von Tischtennis Sets war die Firma F.H. Ayres Ltd., die in einer Kataloganzeige von 1884 ein „Miniature Indoor Lawn Tennis Game“ anbot, wobei nicht wirklich sicher ist, das dieses Spiel unbedingt auf Tischen ausgetragen wurde. Offizielle Hinweise zum Spiel auf dem Tisch sind durch Patentschriften des 19. Jhd. gesichert: 1890 wurde das Patent für Netzvorrichtungen zum spielen von Tennis, Fußball und Krocketversionen auf dem Tisch eingetragen. Somit könnte man 1890 als das offizielle Geburtsjahr vom Tischtennissport bezeichnen.

Bereits einen Monat später wurde das nächste Patent für einen "Apparatus, der dafür bestimmt ist, mit Schlägern und Bällen ein Spiel auf einem Tisch zu spielen, welches dem Lawn-Tennis ähnlich ist". Den vorläufigen Höhepunkt der Patentreihe setzte Charles Barter 1891, als er alle Requisiten des Pingpong Spiels (verbesserte Netzgarnitur, Korkbälle und Schläger aus Pappmaché) in einem Patent zusammenfasste.

Jedoch sollte auch dies noch längst nicht die endgültige Version des Zuberhörs sein, welche dem Sport zum Durchbruch verhalf: die Korkbälle waren schlichtweg unzureichend und schmälerten genau, wie die nachher benutzten indischen Gummibälle durch ungünstige Flug- und Abpralleigenschaften die Attraktivität des Spiels. James Gibb, ein Sportler und Ingenieur hatte dein Einfall kleine bunte Celluloid-Bälle – welche er in den USA gefunden hatte – für das Spiel einzusetzen. Er schlug seinem Nachbarn, dem Sportfabrikanten John Jacques, vor, diese Art von Ball extra für das Tischtennis-Spiel herzustellen.

Aufgrund des Geräusches vom Aufprall des Balls auf Tisch und Pergamentschläger, liessen sich die beiden den bereits vorhandenen Namen „Ping Pong“ als Warenzeichen registrieren und stellten unter diesem Tischtennis-Sets her. Die deutsche Firma Schildkröt konnte durch die sogenannte Preß-Blas-Methode eine schnellere Herstellung der Celluloid-Hohlkörper und deren erhöhte Elastizität erreichen. Dieses Verfahren wird noch bis heute bei der Herstellung von Tischtennisbällen angewandt. Tischtennis wurde also als moderner Sport stark von der Materialentwicklung und Verarbeitung der Industrie abhängig. Aufgrund guter industrieller Vorraussetzungen begann so die Massenproduktion von Tischtennisausrüstung.

3. Tischtennis als Unterhaltungsspiel

Durch die Erfindung eines „richtigen“ Tischtennisballs erkannten viele Industrielle das enorme Potential, welches im Verkauf von Tischtennisartikeln lag und brachten die Produktion auf Hochtouren. Um die Jahrhundertwende gab es schon zahlreiche Hersteller und das starke Interesse wurde noch durch vermehrte Anzeigenwerbung bestärkt. Die neuen Hersteller umgingen die Verwendung des eingetragenen Namen „Ping-Pong“ mit neuen Bezeichnungen wie beispielsweise „Whiff-Whaff“ (Amerika), „Flim-Flam“ (Deutschland) oder „Pim-Pam“ (Frankreich). Aufgrund des immer enger und schärfer werdenden Wettbewerbs entschlossen sich John Jaques & Son und Hamley Brothers zusammen und konnten ihre Box-Sets somit günstiger anbieten.

In der Märzausgabe des Royal Magazine von 1901 wurde Ping-Pong als „das Neuste und zweifellos Größte der neuen Spiele […] mit dem wohlklingenden Namen Ping-Pong oder Tischtennis“ bezeichnet. Tischtennis erhielt sogar Einzug in den Bereich der Kunst, da immer mehr kunstvolle Bilder vom Spiel in teilweise aufwendigen Druckverfahren hergestellt wurden. Auch der Sport ansich wurde schnell besser organisiert: im Jahre 1900 entstand der erste Tischtennis Club „Cavendish Club“. Aufgrund des schlechten Wetters auf den britischen Inseln hatte das Nondescript Cricket Team in den Regenperioden ihr Quartier im Londoner Armfield Hotel zum Tischtennis spielen bezogen und diesen ersten Club gegründet. Tischtennis wird nun im Bürgertum immer bekannter und beliebter: Tischtennis-Teaparties, Ping-Pong-Ausflüge, Zeitungsartikel und Gedichte zum Spiel stehen an der Tagesordnung. Trotz der Beliebtheit wird das Spiel noch längst nicht als ernstzunehmende Wettkampfsportart, sondern viel mehr als kurzweiliges Unterhaltungsspiel gesehen. Verdeutlicht wird diese Sichtweise durch ein Zitat von Mr. Tomkins in der Zeitung Punch: „Zuerst traf ich dieses Ding nicht. Dann gab ich ihm einige entscheidende Schläge und er flog zur Decke herauf, traf die Bilder, oder es gab Probleme mit dem elektrischen Licht. Aber wo immer er hingelange, er landete zum Schluß auf dem Fußboden und ich verbrachte die Hälfte der Zeit damit, unter dem Tisch herumzukrabbeln, meinen Kopf an der Tischanrichte zu stoßen, unter den Stühlen herzukriechen oder die Kohleneimer aufzurichten“.

Trotz der deutlichen Materialverbesserung war Tischtennis also noch längst nicht das moderne Wettkampfspiel wie wir es heute kennen. Als erster machte sich Walter Harrison Gedanken über die sportliche Entwicklung des Spiels und schlug vor, sämtliche inzwischen entstandene Vereine in London zu einem Verband zusammenzuschließen und damit ein einheitliches Regelwerk, eine einheitliche Satzung, sowie regelmäßige Wettkämpfe zu gewährleisten. Das erste öffentliche TT-Turnier wurde so für den 11.12.1901 ausgeschrieben, bereits einen Tag später sollte der Verband „Table Tennis Association“ gegründet werden. Die Resonanz war unerwartet groß: es gingen 200-300 Anmeldungen ein und die Herren- und Damenwettkämpfe sollten mehrere Tage andauern. Während die Damen in feinster Londoner Gesellschaftskleidung antraten und den Griff des Schlägers wie einen Füllfederhalter hielten, nahmen einige Herren den Sport doch bereits so ernst, das sie während der Spiele ihre Sackos ablegten und die Hemdärmel hochkrempelten. Die bereits weit klaffende Lücke zwischen Lawn-Tennis und Ping-Pong wurde anhand der auf den Ping-Pong-Turnieren sehr schlecht abschneidenden Tennisspielern verdeutlicht.

Das neue Komitee der TTA beseitigte 1902 erstmals die vielen verschiedenen Regelanwendungen: eine regelmäßige Zählweise bis 20 wurde eingeführt, der Aufschlagwechsel fand nun nach 5 Punkten statt. Tischtennis war inzwischen neben Billard aufgrund der geringen räumlichen und technischen Anforderungen das beliebteste Großstadtspiel. Da alle Spieler den Amateurstatus besaßen, war es nie ein Problem Mitspieler zu finden, den Ball gemeinsam unter Kontrolle zu halten und dabei Konversation zu machen. Tischtennis war somit als Freizeitspiel absolut gefestigt, wobei es noch Jahrzente dauern sollte, bis der wahre Wettkampfcharakter des Spiels wirklich zum tragen kommen sollte.

4. Tischtennis erobert England - und die Welt?

Die Beliebtheit des Tischtennisspiels nahm ab dem Jahre 1902 so große Dimensionen an, das in England vom „Ping-Pong-Craze“ gesprochen wurde. Turniere fanden nun in bemerkenswerten Gebäuden, wie beispielsweise der Queens Hall, dem Crystal Palace oder dem Alexandra Palace statt. dieser Boom machte sich auch quantitativ bemerkbar, da nun bis zu 22 Turniere monatlich ausgeschrieben wurden. Tischtennis hatte den sprung auf die höchste gesellschaftliche Ebene vollbracht, was die Zeitung "Table-Tennis and Pastimes Pioneer" mit einem Bericht über Tischtennis im Kaiser’s Palace des deutschen Reiches eindrucksvoll belegte.

Der englische König hatte Kaiser Wilhelm II zuvor ein Tischtennis Set zum Geburtsag geschenkt. Auch die industrielle Seite des Tischtennis kam beim „Ping-Pong Craze“ natürlich nicht zu kurz: in Brantham wurden inzwischen über 2,5 Millionen Bälle aus über 6 Tonnen Celluloid pro Woche produziert. Es wurden immer mehr tischtennisrelevante Patente angemeldet, darunter auch absonderliches wie z.B. zweiblättrige Schläger, Modelle mit weit abstehendem Schlägerblatt und sogar tassenförmige Einfassungen am Ende des Griffes um Bälle aufzulesen. Auch Ballsammelgeräte gehörten schnell zum festen Bestandteil der Tischtennis-Ausrüstung, was durch die Spielkleidung der Gesellschaft, die meist aus steifen Smokings und straffen Röcken bestand, erklärbar ist. Anfang 1902 wurde ein erstes Tischtennis-Lehrwerk mit Bewegungsbeschreibungen eines All-England-Champion namens Arnold Parker auf den Markt gebracht, welches Schlagtechniken wie „Back-Hand-Play“, „Crouch-Smash“, „Diagonal Play“, „For-Hand-Play“, „Half-Volley“ und viele mehr beinhaltete. Parker beschrieb dort zudem die genaue Shake-Hand-Haltung des Schlägers und führte wichtigste Argumente zur ihrer Benutzung an. Durch den Gebrauch von Pergamentschlägern ergab sich nun auch die Möglichkeit dem Ball Spin zu verleihen, was Schläge wie den „Top-Spin“ und den „Under-Cut“ entstehen liess, die beim Publikum großen Anklang fanden und mit dem Abtrieb eines Kricketballs auf einem nassen Feld verglichen wurden. Kurze Zeit später entstand das erste wirklich umfassende Lehrwerk: „Ping-Pong – The Game And How To Play It“, welches den Leser mit wichtigen Instruktionen zur Schlagausführung, Hintergrundwissen, Materialgeschichte und Aufschlagvarianten versorgte. Das Repertoire an Bewegungsausführungen war schon damals sehr variantenreich, obwohl sich die meisten der Varianten nur auf Arm und Hand beschränkten. Durch einen Zufall entdeckte schließlich der Tischtennisspieler Good die Eignung von Gummi als Belag für den Tischtennisschläger: er sah wie Münzen auf einer Gummi-Matte in der Apotheke sprangen, wo er sich gerade Kopfschmerztabletten besorgen wollte.

Beim nächsten Turnier trat er mit einem gummibezogenen Schläger an und erregte großes Aufsehen, als er den bekannten Spieler Parker mit 50:3 Punkten im Halbfinale schlug. Das Gummi verschaffte dem Schläger noch mehr Grip, sowie eine Steigerung der Festigkeit und Haltbarkeit, auch wenn sich diese Vorteile in der Menge der Schlägersorten zunächst nicht herauskristallisieren sollten. In der folgenden Zeit wurden fast ausschließlich Holzschläger gespielt, die dem Spiel im Gegensatz zum Pergament eine sehr hohe Geschwindigkeit verleihen konnten. Bezüglich der Geschwindigkeit des Spiels gab es aber auch kritische Stimmen: „Mancher Spieler weiss den Ball so blitzschnell zurückzugeben, das unser Auge dem Ball ebenso wenig folgen kann wie der aus der Flinte entsendeten Kugel.

Das Tempo, zu dem das Spiel gesteigert werden kann, bedeutet die größte Gefahr für seine Weiterentwicklung.“ Bei einer Generalversammlung Anfang 1902 wurde ein Rat einberufen, welcher den Entwurf einer Satzung und die Bildung eines Exekutivkomitees beschloss. Es entstand das erste offizielle Handbook, in dem eine Standartisierung der Tisch- Ballmaße etc. vorgenommen wurde. Auch die Turnierformen wurden dort festgelegt und auf KO System für „Pot-Hunters“ und Inter Club Matches für Teams aufgeteilt. Geldpreise wurden nun strikt verboten um den Amateurstatus des Sports zu wahren. Durch diese Reformen und Vereinheitlichungen schien 1902 die Abkapselung vom Tennis endlich geschafft, was sich durch zahlreiche Vereinsbildungen, Teamwettkämpfe und Turniere wiederspiegelte. Auch aus sportlicher Sicht waren die Tischtennis-Spezialisten mit überlegenen Schlagtechniken nun tonangebend, was für die Autarkie des Sportes spricht. Die britische Tischtennisflut überschwemmte nun auch das europäische Festland, wobei die großen Tischtennisgüter-Firmen schon 1901 mit Produkten in Nürnberg oder Paris eingenommen hatten.

Nachdem sich in den Vorjahren französische Zeitungen eher über die Spielleidenschaft der Engländer lustig machten, ohne dabei das Spiel wirklich vorzustellen erkannte man im Jahre 1902 dann auch dort, das das unaufwendige Spiel ein Verkaufsschlager werden sollte. So kamen noch im selben Jahr erste französische Ping-Pong Garnituren unter dem Namen „Pim-Pam“ auf den Markt. Ein Teil der Welle schwappte sogar nach Russland über, wo das Spiel aber durch unausgereifte russische Ersatzmaterialien (kaum Importe aus England) zur damaligen Zeit nie den Werdegang zu einer ernsthaften Sportart schaffte. Auch in Frankreich blieb der kurzfristige Boom nicht lange bestehen und so wurde Tischtennis dort von anderen „Modeerscheinungen“ abgelöst. Deutschland schenkte dem Spiel deutlich mehr Beachtung. Der deutsche Professor Dr. Schröer schrieb nach dem ersten Kontakt mit dem Spiel in einem Zeitungsartikel 1902:“Wer aber, ob jung oder alt, ob vornehm oder niedrig, die unangekräkelte Freude an seinen fünf Sinnen, an gewandter Bewegung des Körpers und Geistes, an Schlag, Fang Wurf und Geistesgegenwart noch nicht verloren hat und das neue Spiel einmal versucht hat, der lässt es nicht wieder fahren und spielt, so oft er kann, mit stets erneuter Lust und gesunder Erfrischung Ping-Pong! Ping-Pong! Ping-Pong!“

Das erste deutsche Turnier wurde sogar bereits 1901 in Hamburg-Uhlenhorst ausgetragen und auch der Verein „Erster Berliner Ping-Pong-Club“ wurde schon zu diesem Zeitpunkt gegründet. Die Deutschen waren im Gegensatz zu den Franzosen und Russen scheinbar schon ganz vom sportlichen Ehrgeiz geleitet. Ein Bericht aus der Zeitung „Moderne Kunst“ von 1902 kommentiert die Entwicklung des deutschen Tischtennis folgendermaßen : „Nicht jeder bringt es zu großer Fertigkeit in diesem Spiel, das doch mehr der Geselligkeit und Unterhaltung dient denn der Leibesübung. Allerdings haben es unsere Sportkreise mit einem Eifer aufgenommen, welcher eher das Gegenteil vermuten lässt. Man hat Ping-Pong-Clubs gegründet und Meisterschaften ausgefochten, in dem eine Anzahl von Spieltischen den Freunden des Ping-Pong Gelegenheit gibt, sich zu üben oder im flotten Wettkampf ihre Fertigkeit zu erproben. Ob der Ping-Pong-Craze wieder verschwinden wird, wie er gekommen? Wir glauben es. Das Spiel an und für sich selbst aber wird sich zweifellos behaupten“. Der Schreiber des Artikels sollte letztendlich recht behalten: 1907 fand im Nollendorfer Casino das letzte große Tischtennis-Turnier zu Beginn des 20. Jhd. Statt, welches als deutsche Meisterschaft ausgeschrieben war, obwohl nur ein erlesener Kreis der Berliner Gesellschaft daran teilnahm.

Im Gegensatz zu Resteuropa entwickelte sich das Spiel beispielsweise in Ungarn zu einer wirklich etablierten Sportart: es wurden 1905 bis 1912 alljährliche nationale Meisterschaften ausgetragen, nachdem Edward Shires 1904 mit dem Verkauf von Tischtennis-Sets in Ungarn begonnen hatte. Das Land brachte regelrechte Tischtennis-Künstler hervor, wie beispielsweise Laszlo Hartmann, welcher in Varietees auftrat und Kunststücke wie Return in ein Wasserglas vorführte.

Auch die USA wurden kurzzeitig vom Boom erfasst, wo es 1902 den ersten offiziellen Mannschaftswettkampf zwischen den Universitäten Harvard und Yale gab. Jedoch konnte das Spiel sich auch dort nicht längerfristig als wirkliche Sportart etablieren. Zur Zeit des Imperialismus wurden auch die europäischen Kolonien mit den „Gossima“ Garnituren der Firma Jaqcues und Halmey versorgt und übernahmen die Tischtenniswelle. Die Australier waren schon 4 Monate nach der Gründung des ersten Londoner Tischtennisverbandes so begeistert, das auch sie ihren eigenen nationalen Verband einrichten wollten. In Indien wurde in verschiedenen YMCA’s in Calcutta noch 1911 Tischtennis gespielt. Auffällig war, das gerade in chinesischen Küstenstädten mit europäisch befahrenen Handelshäfen das Spiel noch heute zu den wichtigsten Sportarten zählt. Diese vermeintliche europäische Einflussnahme wurde in chinesischen Lehrbüchern jedoch ob des Greuls gegen den Wirtschaftsimperialismus allerdings oft verschwiegen.

5. Der vorläufige Untergang

Zwischen 1900 und 1903 war Tischtennis in England so gewachsen, das nun eigentlich der Zeitpunkt gekommen war, das Tischtennis als eine anerkannte Sportart gefestigt werden sollte. Lehrbücher, Spitzenspieler und moderne Ausrüstung gepaart mit festen Wettkampfformen sollten die beste Vorraussetzung dafür gewesen sein, jedoch schaffte das Tischtennis den Schritt in die Welt des Wettkampfsports damals nicht wirklich. Ein Grund dafür bestehlt zweifelsohne in der Gründung zweier konkurrierender Verbände: der TTA und der PPA, wobei der TTA unabhängig war und die PPA durch das Tischtennis-Kartell Jacques und Hamley unterstützt wurde. Der PPA lag sehr viel daran den Handelsnamen Pinpong für alle Zeiten auf dem Handelsmarkt zu sichern. Die TTA umfasste bereits 1902 62 Clubs, während die PPA nur 45 vereinte – die Tischtennis Spieler warteten gespannnt auf die einheitliche Organisation und Ligenbildung. Auf Versammlungen zwischen den beiden Verbänden 1902 und 1903 gab er erste große Annäherungen: 9 Punkte die detallierte Lösungen von Unstimmigkeiten anboten. Die Fusion sollte am 1. Mai 1903 erfolgen, jedoch blieb ein Punkt offen: Bezeichnung der Fusion sollte Pingpong und Tabletennis beinhalten, was sich als schwierig erwies. Auch die Verfassung eines gemeinsamen Regelwerks brachte erneute Unstimmigkeiten und Unsicherheit in die Spielerriege.

Nach langen Verhandlungen kam 1903 schließlich doch noch die Fusion, der dann aber nur noch 41 Clubs beitraten. Die Fusion schien zu spät gekommen zu sein, um der nachlassenden Spielbegeisterung durch einheitlich organisierten Wettkampf wieder in Schwung zu bringen: das Interesse an Wettkampftischtennis war bald erloschen. Schon Anfang 1904 war Pingpong für die meisten englischen Medien kein Thema mehr und der Markt war übersättigt mit billigen Tischtennis-Sets. Absatz dieser gab – jedoch auch nur noch für kurze Zeit – nur noch im Ausland. Croquet rückte bald anstatt des Tischtennis in den Vordergrund. Tischtennis sollte in den nächsten 20 Jahren keinen wesentlichen Fortschritt mehr in seiner Entwicklung nehmen.

6. Quellen:

- DTTB: 50 Jahre dt. Tischtennisbund – Eine Chronik rund um den weissen Ball. Hg. DTTB. Lübeck: 1975 - DTTB: Handbuch des Deutschen Tisch-Tennis-Bundes. Hg. DTTB. Lübeck: 1978 - ECKERT, Hans: Die Welt des weissen Balls: Das Buch vom Tischtennis-Sport, Hg. Von Eckert. Kiel: 1954

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Kommentare

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webdesign am :

webdesign Sehr interessante sachen kann man hier lesen...BRAVO!

Anonymer Nutzer am :

Anonymer Nutzer Klasse Artikel!! Wirklich sehr gut geschrieben und interessant zu lesen. Das einzige was mir fehlt ist die Fortsetzung (also die weitere Entwicklung des Tischtennis seit den 20er Jahren)

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