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Fühlt sich an wie Gold: Boll ist Fahnenträger der deutschen Olympiamannschaft

Rio de Janeiro. Tischtennis-Deutschland im Rausch: Timo Boll wird am Freitagabend die deutsche Olympiamannschaft bei der Eröffnungsfeier ins Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro führen. Er ist der erste deutsche Fahnenträger des seit 1988 olympischen Sports.

Der Rekord-Europameister bekam die meisten Stimmen bei der Abstimmung durch die Athletinnen und Athleten der Olympiamannschaft und der Öffentlichkeit. Die anderen Kandidat/innen waren Doppel-Olympiasieger Moritz Fürste (Hockey), Doppel-Olympiasiegerin Ingrid Klimke (Vielseitigkeitsreiten), Peking-Olympiasiegerin Lena Schöneborn (Moderner Fünfkampf) und London-Olympiasiegerin Kristina Vogel (Bahnrad).

Timo Boll, Zitate aus der DOSB-Pressekonferenz:

Über seine Gefühlslage

Als ich gestern Abend gehört habe, dass ich die Fahne tragen soll, war ich wirklich mal sprachlos. Es ist ein wahnsinniges Gefühl. Es ist vielleicht sogar der Höhepunkt meiner Karriere. Ich bin jetzt das fünfte Mal dabei, und die Olympischen Spiele sind für uns Sportler einfach immer noch das Größte. Ich freue mich unheimlich auf morgen Abend und weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich bin einfach nur stolz. Vielen Dank an alle, die mich gewählt haben, die Teammitglieder, die Aktiven, die Bevölkerung - alle, die mir das Vertrauen schenken, die Fahne tragen zu dürfen. Selbst als Tischtennisspieler sollte ich das irgendwie schaffen (Lacht.). Es ist ein tolles Gefühl. Ich fühle mich wirklich sehr geehrt.
Meine Mitstreiter hätten es mit Sicherheit genauso verdient gehabt. Allein wenn man sich ihre Erfolge anschaut: Sie sind alle Olympiasieger. Von daher tut's mir sehr leid, dass sie auch gehofft haben und es jetzt am Ende nicht geworden sind. Für mich selbst freue ich mich natürlich und bin unheimlich stolz.

Über die Bedeutung für seine Sportart

Unsere ganze Sportart Tischtennis ist sehr glücklich und stolz, dass es jetzt mal ein Tischtennisspieler geworden ist. Jörg Roßkopf war ja einmal kurz davor und hätte es mit Sicherheit auch verdient gehabt. Er hat den Tischtennissport nach oben gebracht. Ich habe das letzte Jahrzehnt probiert, die Sportart populär zu halten. Von daher ist es für unsere Sportart eine riesen Geschichte.

Über die Warnung von Dirk Nowitzki, den Fahnenträger von 2008

Ich habe mit Dirk Nowitzki vorher schon gewitzelt. Er hat gemeint: "Falls du es wirklich wirkst, wirst du auch Probleme kriegen, die Fahne zu tragen. Die ist ziemlich schwer." Für ihn war das einer der größten Momente seiner Karriere. Ich habe keine Ahnung, wie sich das am Ende anfühlt. Ich war zwar schon mal bei einer Eröffnung dabei. Das war schon ein spezielles Gefühl in so ein großes, vollbesetztes Stadion mit einer großen Mannschaft einzulaufen, aber als Fahnenträger wird das noch mal etwas anderes sein. Ich bin sehr gespannt darauf. Ich werde auf jeden Fall versuchen, mir diesen Moment irgendwo einzuprägen.

Über seine sportlichen Ambitionen in Rio

Natürlich habe ich sportliche Ambitionen: Ich will hier nicht nur die Fahne reintragen. Ich habe auch den sportlichen Fokus. Ich will ein gutes Turnier abliefern und um die Medaillen kämpfen. Im Einzel wird es verdammt schwierig, weil ich eine schwere Auslosung bekommen habe. Aber ich bin gut drauf, und es muss erst mal alles gespielt werden, daher gebe ich auch nicht auf. Mit der Mannschaft haben wir eine super Truppe, kämpfen da auch um die Medaille.

Stimmen zur Wahl von Timo

Hans Wilhelm Gäb, u.a. DTTB-Ehrenpräsident und Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Sporthilfe
Ich habe in zwanzig Jahren noch nie erlebt, dass Timo eine Niederlage auf Pech zurückgeführt hätte. Er hat immer die Leistung des Gegners anerkannt. Ich habe ihn auch noch nie über einen Kontrahenten schlecht reden hören. Nie hat er die Selbstbeherrschung verloren, und nie hat er am Tisch oder beim Material geschummelt. Wir Tischtennisspieler und der deutsche Sport können auf ein solches Aushängeschild stolz sein.

Thomas Weikert, ITTF-Präsident: Ich bin sehr, sehr stolz, dass Timo jetzt Fahnenträger ist. Das ist sehr gut für unsere Sportart allgemein aus internationaler Sicht und natürlich auch für Deutschland. Timo lebt seit Jahren Fairplay, bringt super Leistungen und ist noch dazu ein toller Mensch.

Michael Geiger, DTTB-Präsident: Timo vereint all die Anforderungen an einen Fahnenträger in seiner Person: sportliches und moralisches Vorbild, anerkannt durch Olympiamannschaft und Sportdeutschland. Zudem vertritt er eine weltweit verbreitete Sportart und ist der bekannteste Deutsche in China. Man wird die von ihm vorgelebten Werte weltweit mit Deutschland und der deutschen Olympiamannschaft verbinden."

Jörg Roßkopf, Bundestrainer: Ich bin persönlich sehr froh und glücklich, dass Timo der Fahnenträger ist. Es hat kein anderer so verdient wie er. Für Timo, die Tischtennismannschaft und den Deutschen Tischtennis-Bund ist es eine große Ehre, dass er die Fahne tragen darf. Ich hoffe, er wird die Schwere der Last gut meistern. Er wird mit Sicherheit mit einem Lächeln da reingehen und die deutsche Mannschaft sehr würdig ins Maracanã-Stadion führen.

Richard Prause, Sportdirektor: Wir sind sehr, sehr stolz auf Timo und freuen uns auch für den Tischtennissport. Das gibt sicher eine zusätzliche Motivation und ist für die ganze Sportart ein extra Kick.

Petrissa Solja aus dem DTTB-Damen-Team in Rio: Es ist super, dass ein Tischtennisspieler die Fahne tragen darf. Timo ist nicht nur im Sport ein Ausnahmetalent, sondern auch persönlich sehr nett. Ich freue mich so für ihn, dass er das deutsche Team anführen wird.

"Timo Boll ist als Fahnenträger ein hervorragender Repräsentant der Deutschen Olympiamannschaft, hinter dem sich unsere Athletinnen und Athleten sehr gern versammeln werden. Erfolgreich und zugleich bescheiden und vor allem absolut fair, dafür steht Timo mit seiner ganzen Persönlichkeit“, sagte Michael Vesper, Chef de Mission in Rio.

"Jede und jeder der fünf Nominierten wäre in jeder Hinsicht ein hervorragender und würdiger Fahnenträger gewesen, und dies ist in der Abstimmungszeit durch die äußerst positive Resonanz innerhalb und außerhalb der Mannschaft auch noch einmal deutlich geworden. Auch wenn es letztlich nur einer werden konnte, haben alle fünf und damit auch das gesamte Team gewonnen", ergänzte DOSB-Präsident Alfons Hörmann.

Boll, der in Rio bereits zum fünften Mal an Olympischen Spielen teilnimmt, zählt seit mehr als zehn Jahren zur Weltklasse, war mehrfach die Nummer eins der Welt, gewann zwei Olympiamedaillen in Peking 2008 und London 2012 sowie insgesamt 16 Europameister-Titel, davon sechs im Einzel. Neben seinen sportlichen Erfolgen ist er für seine Fairness bekannt. Bei der WM 2005 in Shanghai hatte er im Achtelfinale gegen Liu Guozheng Matchball – und gab ihn zurück, weil der Ball des Chinesen seiner Meinung nach die Tischkante berührt hatte. Boll verlor und schied aus. Die Silbermedaille im Doppel mit Christian Süß entschädigte ihn – ebenso der Fair-Play-Preis des Weltverbandes und die Anerkennung von Millionen Fans.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte erstmals öffentlich entscheiden lassen, wer die Fahne tragen soll, um sowohl die Olympiamannschaft als auch die Sportfans teilhaben zu lassen. Getreu dem Motto "Wir für Deutschland" wurde eine noch stärkere Identifikation sowohl der Mannschaft als auch der Öffentlichkeit mit dem/der Fahnenträger/in angestrebt. Wählen konnten sowohl die Mitglieder der Olympiamannschaft als auch die Öffentlichkeit, wobei jede Gruppe zu 50 Prozent gewertet wurde.

Nowitzki gibt Tipps

"Du sollst einfach deinen Spaß haben, nicht total steif da rumlaufen", riet Basketball-Superstar Dirk Nowitziki, der das Ehrenamt 2008 in Peking inne hatte. "Das ist ein wahnsinnig emotionaler Moment, ich bin gar nicht mehr aus dem Grinsen rausgekommen. Die Runde ging viel zu schnell vorbei", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Bei den China-Spielen hatten sich Nowitzki und Boll persönlich kennengelernt. Seitdem sind wir in Kontakt", so der Wahl-Amerikaner. "Wir treffen uns immer mal wieder im Sommer, er war schon in Dallas, hat sich ein paar Spiele angeschaut."

Alles zu den Tischtennis-Wettbewerben in Rio auf der ITTF-Website: http://new.ittf.com/rio-2016/

 

Die deutschen Olympia-Starter in Rio de Janeiro

Damen-Einzel
Han Ying (Alter: 33 / Verein: KTS Spar Zamek Tarnobrzeg, Polen / Weltrangliste: 7)
Petrissa Solja (22 / ttc berlin eastside / 15)

Damen-Mannschaft
Han Ying (KTS Spar Zamek Tarnobrzeg, Polen)
Petrissa Solja (ttc berlin eastside)
Shan Xiaona (33 / ttc berlin eastside / 21)
Ersatz: Sabine Winter (23 / SV DJK Kolbermoor / 48)

Herren-Einzel
Dimitrij Ovtcharov (27 / Fakel Orenburg, Russland / 5)
Timo Boll (35 / Borussia Düsseldorf / 13)

Herren-Mannschaft
Dimitrij Ovtcharov (Fakel Orenburg)
Timo Boll (Borussia Düsseldorf)
Bastian Steger (35 / SV Werder Bremen TT / 24)
Ersatz: Patrick Franziska (24 / 1. FC Saarbrücken TT / 48)

 

Die DTTB-Betreuer in der Übersicht
Sportliche Abteilung
Leiter der Teilmannschaft: Richard Prause (DTTB-Sportdirektor)
Jörg Roßkopf (Herren-Bundestrainer)
Jie Schöpp (Damen-Bundestrainerin)
Zhu Xiaoyong (Assistent des Herren-Bundestrainers)


Medizinische Abteilung
Dr. Antonius Kass (Mannschaftsarzt, Düsseldorf)
Annette Zischka (Physiotherapeutin, OSP Hessen, Frankfurt/Main)

Weitere Deutsche in Rio
Funktionäre
Thomas Weikert (ITTF-Präsident, Limburg)
Michael Geiger (DTTB-Präsident, Haslach im Kinzigtal)
Heike Ahlert (ETTU-Vizepräsidentin, DTTB-Vizepräsidentin Leistungssport, Schleswig)

Schiedsrichter
Günter Höhne (Internationaler Schiedsrichter, Sprakensehl)

Presse
Florian Leidheiser (DTTB, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

Quelle: DTTB-Presse-Info

 

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