Konsequenzen aus dem Verbot der glatten Noppen
Geschrieben von Markus Thies • Dienstag, 7. August 2007 • Kategorie: Tischtennis Material
Spezifik des Tischtennissports:
Tischtennis zeichnet dadurch aus, dass neben der Athletik besonders Feinmotorik, Intelligenz, Fleiß und langjährige Ausdauer erforderlich ist, um erfolgreich zu spielen.
Deshalb gibt es einen übergroßen Anteil älterer Sportler sowie jüngere Leute, die weniger Vorraussetzungen für beispielsweise Fußball, Tennis oder Leichtathletik haben.
Die oben genannte Spezifik des Tischtennis macht für viele den Sport erst langfristig interessant.
Dieser spezifische Sportvorteil wird nun reduziert.
Entwicklung in den letzten Jahren:
1. Durch die Entwicklung der äußerst spindynamischen Beläge haben junge, schnelle Angreifer einen immensen Vorteil erhalten.
2. Der 40 mm Ball brachte diesen Sportlern noch einmal Vorteile, weil es leichter ist, einen größeren Ball bei Topspin tangential zu treffen und der höheren Luftwiderstand leicht durch schnellere Hölzer und dickere Beläge ausgeglichen werden kann.
Langsamer ist Tischtennis logischerweise nicht geworden.
Im Gegenteil:
Abwehrer wurden zurückgedrängt.
Gegenmaßnahme:
Als Gegenmaßnahme gibt es heute spinunempfindliche lange, glatte Noppen.
Ihre Beherrschung setzt Training und viel Verständnis voraus – gut für ausdauernde Sportler.
Angreifer müssen gegen diese Beläge gefühlvoller und mit weniger Schnitt spielen – oder setzen sich einem hohen Risiko aus. Sie müssen mitdenken.
Diese geistige Anstrengung entfällt beim Verbot der glatten Beläge.
Grundsatz Schnelligkeit:
Die Schnelligkeit des Tischtennis resultiert einzig aus der Reaktionsfähigkeit der Sportler und dem Risiko durch zu große Geschwindigkeit Fehler zu machen. Auf jeden Fall spielt die Ballgröße ob 38mm, 40mm, 44mm oder noch größer keine Rolle. Die Spindynamik der Beläge gleicht den Spinwiderstand des größeren Balles aus.
Ältere Sportler bzw. Abwehrer sind nicht so schnell. Sie vertrauen eher auf Feinmotorik und Taktik – erworben durch langjähriges Training.
Haben sie kein Instrument mehr gegen Spin und Tempo, dann werden sie erfolglos.
Fazit:
Werden glatte Beläge verboten, dann kommt es noch mehr darauf an einfach, schnell und mit maximalem Schnitt zu spielen. Schließlich kann man ja seinen eigenen Spin nicht mehr zurückbekommen.
Das lernt sich auch schneller, als der Umgang mit Returnspin und Taktik.
Als Konsequenz bleibt:
1. Für ältere und langsamere Sportler reduzieren sich die Chancen
2. Tischtennis wird weniger abwechslungsreich
3. Es wird immer fraglicher, ob sich das Training lohnt (auch wegen der vielen Regeländerungen)
Der Vorteil für junge, besonders athletische Spieler, die es dann einfacher haben, wird den Abgang der anderen Aktiven und Erfahrenen nicht ausgleichen – zum Schaden für den Tischtennissport.
Im Auftrag des TT-Club Senftenberg
J. Matern










5 Kommentare
Das führt dazu das einige Beläge mit GLATTEN, LANGEN Noppen nicht mehr zugelassen sind. Die Vielfalt an Spielsystemen ist nachwievor enorm groß. Weiterhin stehen Materialspielern Antispin, kurze schmale, kurze breite, mittellange griffige und lange griffige Noppen zur Verfügung.
In der Weltspitze verwenden moderne Abwehrspieler KURZE Noppen da diese nicht nur Rotation neutralisieren sondern auch erzeugen können.
Das moderne Abwehrspiel mit der Kombination griffige Noppen innen Vorhand / kurze, breite Noppen außen Rückhand kombiniert mit dem drehen des Schlägers steht vielmehr vor einer Renaisance!
Noch ein paar Worte zum Materialspiel an sich. Der Missbrauch der mit Material in den unteren Klassen betrieben wird ist unerträglich.
Im Kinder und Jugenbereich gehört jegliches Materialspiel zu gunsten einer soliden technischen Grundausbildung generell verboten. Es ist nicht hinzunehmen das ein und der selbe Spieler mit langen Noppen plötzlich 2 Klassen höher spielen kann, ohne das sich an seinem Können etwas verbessert hätte. Tischtennis muss im Kinder und Jugendbereich als Action Sportart präsentiert werden damit die Sportart eine Zukunft hat und endlich auch in den Massenmedien präsent wird. Es kann nicht sein das talentierte Kinder frustriert die Halle verlassen weil es ihnen nicht möglich ist gegen rein destruktiv angelegtes Materialspiel überhaupt Ballwechsel zu spielen.
Es spricht doch für sich das Top Spieler wie Timo Boll, Gerd Richter, Jörg Roßkopf, Bastian Steger, oder Christian Süß mit jeglicher Art von purem Materialspiel kurzen Prozess machen. Sie verfügen über die technischen Mittel.
Die Technische Grundausbildung der jungen Spieler darf nicht läger unter irgendwelchen bierbäuchigen Rentnern mit langen Noppen leiden, die Tischtennis als Alibisport betreiben bei dem die drei Bier im Vereinsheim wichtiger sind als das Training.
Tischtennis ist Sport, und Sport hat nunmal etwas mit Schnelligkeit und Atlethik zu tun. Wenn Rentnerbands aussen vor bleiben, umso besser.
Kommentar schreiben